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Ein
"Testbericht" von "TERMINATOR II"
Tja, jemand der jüngeren Generation, der eigentlich nichts
anderes als "PC" und "Windows" kennt, wird
bei o.g. Frage sagen, "Ich ticke wohl nicht recht"
oder so - doch andere, die in dieser einmaligen,
phantastischen Zeit aufwuchsen, in der die Homecomputer
dominierten und ein PC nicht viel mehr als eine überteuerte
Schreibmaschine war, kommen bei dieser Frage vielleicht eher
ins grübeln! Vor allem, wenn es sich bei einen solchen
Homecomputer um einen Amiga handelt! Vorab, es geht in diesem
Bericht zwar um den Amiga 4000, aber ich hole sehr weit aus,
um auch mal den jüngeren PC-Freaks, die den Amiga nicht oder
nur vom hören-sagen ("...ja, das war so ein
Spielecomputer in den 80er Jahren oder?"), die Geschichte
des Commodore Amiga nahe zu bringen.
ES WAR EINMAL...
Am Ende der achtziger Jahre kannten mehr Leute die Firma
Commodore als den Bundeskanzler. Der Commodore Amiga,
inoffizieller Nachfolger des legendären Commodore C64,
feierte riesige Erfolge. Auf der Amiga-Messe "Amiga ´91"
tummeln sich über 70.000 Besucher. Der Amiga war zu dieser
Zeit auf der Spitze seines Erfolges. Die Idee und Technologie
des Amiga war seinerzeit der "Konkurrenz" um Jahre
voraus und einfach nur atemberaubend. Ein PC zu dieser Zeit
kannte meist nur zwei Farben (grün/bernstein und schwarz),
"Grafik" und "Sound" war ihm meist ein
Fremdwort und das ganze war noch dazu schier
unbezahlbar. Sah es am Anfang noch anders aus, ist es aber
eine Tatsache, daß auch der Amiga von Anfang an ein großes
Problem hatte: Commodore. Diese Firma hatte letztendlich
gleich an mehreren Fronten versagt und sich somit sein eigenes
Grab geschaufelt. Viele gaben und geben dem Amiga selbst die
Schuld, daß Commodore in Konkurs ging, doch das ist
schlichtweg falsch. Der Hauptgrund für dieses Versagen war
das Missmanagement von Commodore. Anstatt konsequent an der
Weiterentwicklung der erfolgreichen frühen Amiga-Modelle 500
und 2000 zu arbeiten, ruhte sich Commodore am Erfolgs-Höhepunkt
dieser Modelle auf seinen Lorbeeren aus. Heute erinnert sich
kaum noch jemand daran, daß der Amiga bei Filmen oder Serien
wie Max Headroom, Babylon 5, Robocop, Seaquest DSV oder Miami
Vice für die Trickszenen eingesetzt wurde... oder für die
Steuerung der Anzeige in vielen Sportstadien und in unzähligen
Fernsehstudios für die Wetterkarte oder
Nachrichteneinblendungen. Der Amiga war flexibel, leistungsfähig,
zuverlässig und preiswert. Multimedia, echtes Multi-Tasking,
4-Kanal Stereo-Sound, Resouren-sparendes, ein von Anfang an
stabiles Betriebs- system mit grafischer Benutzeroberfläche -
was konnte einen damals eigentlich dazu bewegen, einen PC auch
nur anzusehen? Doch Commodore trug werbe- und
marketing-technisch nicht allzuviel dazu bei, die immensen Fähigkeiten
dieses Computers zu präsentieren oder ins rechte Licht zu rücken.
Der Amiga verkaufte sich ja durch "Mund-zu-Mund"-Propaganda
scheinbar eh´ von selber.
ÜBERHEBLICHKEIT MACHT
BLIND
Durch die großen Erfolge des Amiga war Commodore sehr
selbstsicher geworden. Der PC, anfangs dem Amiga um Jahre
hinterher, blieb aber in seiner Entwicklung (im Gegensatz zum
Amiga) nicht stehen, im Gegenteil: fallende Hardware-Preise
und der steigende Erfolg von "Windows" ließen den
PC zunehmend den Homecomputer-Markt erobern. Commodore
glaubte, man müsse den Wettstreit mit Firmen wie IBM oder
Compaq aufnehmen. Die Gewinne, die das Amiga-Geschäft
brachte, steckte Commodore ins PC-Business und verlor hierbei
viel. Letztendlich musste Commodore die Niederlage im
PC-Sektor anerkennen: In Europa hatte man bisher noch Modelle
wie den Commodore PC-10 und PC-20 verkauft, mit mittelmäßigen
Erfolg. Der Versuch, diese Modelle in den IBM-dominierten
US-Markt zu drücken, war ein Desaster. Gleichzeitig sparte
man an der Weiterentwicklung und am Marketing des Amiga,
verpasste eine Gelegenheit nach der anderen, den Amiga ins
Bewusstsein der Öffentlichkeit zu bringen. Langsam begriff
man bei Commodore, dass man sich übernommen hatte. Hektisch
folgten nun einige "neue" Modelle, allerdings ohne
Sinn und Verstand - beispielsweise die verschiedenen Abarten
des Amiga 2500, die nichts anderes waren als ein Amiga 2000 im
Bundle mit verschiedenen Erweiterungskarten. In Amerika
verkaufte sich der A2500 schlecht, in Europa gar nicht. Das
Weihnachtsspecial 1989 - ein Amiga 500 inklusive
Videorecorder - wurde ohne Verbindungskabel zum Recorder
ausgeliefert... Commodore begann mit dieser undurchdachten
Modellpolitik nun auch im Amiga-Sektor Verluste einzufahren.
Commodore weigerte sich dabei stets und weiterhin, die
Amiga-Hardware für Dritthersteller freizugeben - wie es IBM
mit dem PC so erfolgreich getan hatte. Interessenten gab es
durchaus: Sun Microsystems wollte z.B. den Amiga 3000UX als
preiswerte Alternative zu den eigenen Sparc-Stations, doch
Commodore winkte ab. MicroMomentum und Gigatron hatten Pläne
für Amiga-Laptops, doch Commodore war nicht interessiert...
DER ANFANG VOM ENDE
1990 kam dann endlich ein wirklich neues Modell auf den Markt,
der Amiga 3000. Während Betriebssystem und CPU des Amiga
intern schon immer in 32 Bit-Technolgie ausgelegt war, zog
jetzt die übrige Hardware nach. Der Zorro-III-Bus (ungefähr
wie PCI) war gegenüber seinem Vorgänger Zorro-II (ähnlich
wie ISA) um ein vielfaches schneller, dabei asynchron und voll
DMA-tauglich. Als Festplattenschnittstelle war serienmäßig
ein SCSI-Adapter eingebaut, statt des langsam in die Jahre
kommende Amiga OS 1.3 kam das komplett überarbeitete und
modernisierte Amiga OS 2.0 zum Zuge. Der Chipsatz wurde
erweitert, aus "OCS" (Original Chipset) wurde "ECS"
(Enhanced Chipset), der zwar etwas moderner und schneller,
aber z.T. nicht kompatibel zu seinem Vorgänger.
6 Wochen später erschien das Commodore Dynamic Total Vision (CDTV),
quasi die erste Set-Top-Box - ein Amiga mit CD-Laufwerk, auf
dem spezielle Video-CDs, aber auch Spiele und Büroanwendungen
laufen konnten. Der Amiga steckte im Gehäuse eines schwarzen
CD-Players und war optisch ein Leckerbissen. Die Software
"AmigaVision" war ein Meilenstein, realisierte das,
was Apple unter dem Schlagwort "Multimedia"
propagierte, aber nicht liefern konnte: Sound von CD, Video
von Laserdisk, Computergrafik, Live-Video, Interaktion...
Wieder war Amiga als erstes mit einer neuen Technik auf den
Markt gekommen. Eine astreine Multimedia-Maschine, doch
wussten viele Käufer damit nichts anzufangen. Das im CDTV
immer noch das inzwischen veraltete OS 1.3 arbeitete, machte
das System auch unter Amiga-Kennern nicht gerade zum
Verkaufsschlager.
Weitere "Meilensteine", die vom Kunden nicht
aktzeptiert wurden, waren z.B. der Amiga 500 Plus. Auf dem Höhepunkt
seines Erfolges wurde der Amiga 500 aprupt durch den Amiga 500
Plus ersetzt. Plötzlich funktionierten wegen des
ECS-Chipsatzes etliche A500-Spiele auf den A500+ nicht mehr,
da diese auf den ersten OCS-Chipsatz ausgelegt waren - sogar
Spieleentwickler waren überrascht. Um Platz für den A500+ zu
machen, verkaufte Commodore die alten Bestände des A500 zum
Schleuderpreis und natürlich ebenfalls mit imensen Verlusten.
Oder der Amiga 600, ebenfalls mit dem ECS-Chipsatz, viel zu
kleinem Gehäuse und damit schlechter erweiterbar als ein A500
- alles in allem ein Gerät das weniger bot und mehr kostete.
Es gab noch etliche weitere Fehlschritte dieser Art von
Commodore, doch das würde hier den Rahmen sprengen. Wer
wissen will, wie es hinter den Kulissen von C= wirklich
abging, findet dazu später einen Hammer-Bericht eines
Ex-Commodore-Mitarbeiters.
COMMODORE HAT SICH SELBST
ERLEDIGT
Prototypen der dritten Chipsatz-Generation (OCS > ECS >
jetzt AGA) waren bereits seit einiger Zeit einsatzbereit -
doch erst 1992 kam "endlich" (und meiner Ansicht
nach doch zu spät) grünes Licht für die Produktion - aus
AGA-Chipsatz, Zorro-III und dem neuen Amiga OS 3.0 entstand
der Amiga 4000. Die neuen Grafikchips boten eine bis dato
unbekannte Farbenvielfalt. Das neue Betriebssystem ist
nochmals schneller, flüssiger, leistungsfähiger und stabiler
geworden. Für das untere Marktsegment wird der A1200
entwickelt, und mit diesem Modell konnte sich das Ergebnis
wirklich sehen lassen. Doch die Nachfrage im Weihnachtsgeschäft
übersteigt das Angebot bei weitem, die alten Modelle will
dagegen schlagartig niemand mehr haben. Das Fiasko rückt näher,
die endlosen Verzögerungen und Fehlentscheidungen haben die
Konkurenz aufholen lassen...
Das CD³² ist die erste echte 32 Bit-Spielkonsole, basierend
auf dem (und vollständig erweiterbar zu einem) Amiga 1200 mit
einem Double-Speed CD-ROM-Laufwerk. Die Nachfrage war sehr groß,
doch schon reicht das Geld nicht mehr für eine Großserie,
und von den produzierten 100.000 Stück werden die Hälfte
allein in Großbritannien verkauft. Man munkelt, nur einige
100.000 verkaufte CD³² Geräte mehr (die Nachfrage war
eindeutig da) und Commodore wäre gerettet gewesen...
1994 - es ist endgültig alles zu spät: Die vierte
Chipsatz-Generation, die AAA-Chips mit 24 Bit Grafik und 16
Bit Sound, sind bis auf Kleinigkeiten schon serienreif, doch
Commodore kann die Lieferanten nicht mehr bezahlen. In
geringer Stückzahl wird noch der Amiga 4000T ausgeliefert,
der erste Amiga im Tower. Ein MPEG-Modul zum CD32 und das OS
3.1 erscheinen, doch gleichzeitig werden bereits massiv
Mitarbeiter entlassen. Im April 1994 muß eine Niederlassung
nach der anderen den Bankrott erklären - Immer noch gut ein
Jahr vor Windows 95. Es ist nicht zu fassen, Commodore hatte
sich ohne zu dieser Zeit nennenswerte Konkurrenz selbst
erledigt.
Danach begann noch das unvorstellbare jahrelange Trauerspiel,
in dem verschiedene Firmen wie Escom oder Gateway2000 die
Amiga-Technologie aufkauften (oder sollte ich
"ausschlachteten" schreiben?) und wieder abstießen.
Echte Neuentwicklungen gab es nicht oder nur auf dem Papier.
Ständig hieß es "...mit dem Amiga geht es
weiter!", "...nein, doch nicht.", "Amiga -
back for the Future!" usw. usw. - es war als Fan dieses
Computers eine frustrierende und fast unerträgliche Zeit.
DER AMIGA 4000
▪ GEHÄUSE UND GRUNDDATEN
Der Amiga 4000 wurde im Gegensatz zu seinem kleinem
Brudermodell Amiga 1200 (einer der, wenn nicht sogar der letzte Tastaturcomputer) in einem schlanken
Desktop-Gehäuse eingebaut. Das Gehäuse bot Platz für ein 5.25" und zwei 3.5" Geräte. Es
waren die Modelle Amiga 4000/030 und Amiga 4000/040 erhältlich, wobei der einzige Unterschied zwischen den
Modellen die CPU und der Hauptspeicher waren. Im 030er kam ein Motorola 68EC030-Prozessor mit 25 MHz und 4
MB Arbeitsspeicher (2 MB Chip-RAM, das vorrangig nur für Grafik und Sound zur Verfügung stand
und 2 MB Fast-RAM, universeller Arbeitsspeicher) zum Einsatz. Dem 040er spendierte man eine
68040-CPU, die ebenfalls mit 25 MHz betrieben wurde, die aber aufgrund Ihrer Architektur trotz gleichem Takt
um einiges schneller war (ähnlich Pentium und Pentium-II), und 6 MB (2 MB Chip-RAM + 4 MB Fast-RAM)
Hauptspeicher.
▪ CPU UND SPEICHER
Die CPUs waren dabei jeweils auf einer separaten
Prozessorkarte installiert, deshalb konnten beide
Modelle durch einfachen Austausch dieser Karte CPU-mäßig
"modernisiert" werden. Der Speicher konnte durch
handelsübliche 72-polige 4 MB-Module durch die insgesamt vier
freien RAM-Sockel auf 16 MB Fast-RAM erweitert werden. Das
Chip-RAM war immer kostbares Gut, denn der Grafik- prozessor
des Amiga konnte beim A4000 nur 2 MB verwalten, so daß dieses
RAM nicht erweiterbar war. Später erschienen CPU-Karten von
Drittherstellern, bei denen das Fast-RAM direkt mit auf der
CPU-Karte installiert werden konnte, um so den langsameren
Speicherbus zu umgehen.
▪ IDE UND SCSI
Der anfänglich für alle Amiga 4000 zugedachte
SCSI-Controller fand letztendlich aus Kosten- gründen nur
beim Amiga 4000 Tower Verwendung, die Desktops wurden mit
einer relativ langsamen und etwas sensiblen IDE-Schnittstelle
aus frühen IDE-Tagen ausgestattet. Ebenso wurden die Amiga
HD-Diskettenlaufwerke mit 1.76 MB Kapazität, die anfänglich
und erstmalig Im A4000 Verwendung fanden, kurz darauf wieder
durch die günstigeren DD-Laufwerke mit 880 kb Speicherplatz
ersetzt.
▪ STECKPLÄTZE
Der Amiga 4000 bietet vier sog. "Zorro-III"-Erweiterungsschächte
(ähnlich wie PCI), drei echte PC-ISA- und einen
Video-Steckplatz. Für diese Schächte gab es sehr viele
Erweiterungskarten jeder Art, wie z.B. Grafikkarten,
Schnittstellenkarten, SCSI- und bessere IDE-Controller,
RAM-Erweiterungen, sogar PC-Brückenkarten, PC und Amiga
vereint in einem Gehäuse! Es gab eigentlich nichts, was es
nicht gab! Ein kleines Manko war, da die ISA- und der
Video-Slot auf gleicher Ebene wie die Zorro-Slots lagen. Bei
der Belegung eines Zorro-Slots wurde automatisch ein anderer
Slot mitbelegt, so dass man den Amiga 4000 um maximal 4
Steckkarten erweitern konnte.
▪ CHIPSATZ
In Sachen Grafik und Sound kam Commodores AGA-Chipsatz zum
Einsatz. Dies war die letzte zur Serienreife gelangte Version
des Amiga Chipsatzes. In der Tradition des Amiga war es üblich,
den jeweiligen "Hauptchips" Namen zu geben! Die
beiden wichtigsten Chips hatten diesmal die Namen Lisa
(Grafik) und Alice (Speicherverwaltung). Sie waren speziell
auf 32-Bit Busbreite und die neueren 32 Bit-CPUs ab Motorola
68020 optimiert worden. Wie bei allen anderen wurde auch
dieser Chipsatz durch Paula (Sound) komplettiert.
▪ GRAFIK
"Lisa" erlaubt es, in allen Auflösungen 256
Farben aus 16,7 Millionen zu verwenden. Dazu kommen zahlreiche
neue Auflösungen und Bildwiederholfrequenzen. Mit
entsprechenden Monitoren ist es durchaus möglich, eine 256
Farben-Workbench in 700x500 Pixeln darzustellen. Dadurch, dass
beim Amiga die Farben in Bitplanes verwaltet werden, kommt es
bei solch hohen Einstellungen leider zu spürbaren
Geschwindigkeitseinbußen. Als Alternative gibt es spezielle
Grafikkarten, deren Grafikfähigkeiten weit über die Möglichkeiten
des AGA-Chipsatzes hinaus reichen und eine Arbeitsoberfläche
in 1600x1200 und 16.7 Mio Farben problemlos möglich machen.
▪ SOUND
"Paula" sorgt neben anderen kleineren Aufgaben für
den Sound im Amiga. Er ist der einzige Chip, der seit dem
Ur-Amiga keinen Veränderungen unterlag. Das ist u.a. auch die
Ursache, warum der Amiga Musik "nur" in 8-Bit
abspielen kann und die serielle Datenübertragung nicht auf
den maximalen Wert von 115.000 bps einstellbar ist. Doch
damals war der Amiga dennoch ein echtes
4-Kanal-Stereo-Klangwunder!
▪ KICKSTART
Das "Kickstart", wie es von Commodore benannt
wurde, war das "BIOS" des Amiga. Allerdings kann
(und muß) man hier keine z.T. stundenlangen Einstellungen
vornehmen. Einschalten, zwei Sekunden warten und los geht´s!
Die ersten öffentlichen Kickstart-Versionen 1.1 (ca. ab
1985), 1.2 und 1.3 (ca.1987/88) kamen beim "Ur"-Amiga
1000 sowie den frühen Amiga 500 und 2000 zum Einsatz. Version
2.04 (ca.1990) war neueren Amiga 500+, 600, 2000 und 3000
vorbehalten. Die letzten Versionen 3.0 und 3.1 kamen dagegen
nur beim Amiga 1200, 4000 und dem CD32 zum Einsatz. Bereits ab
Kickstart Version 1.3 gab es eine integrierte
Festplattenunterstützung. V2.04 bot u.a. moderneren Look oder
auch Lokalisierung seiner Workbench, also länderspezifische
Einstellungen. Man konnte und kann stets ein komplettes,
aktuelleres Amiga-OS, bestehend aus Kickstart, Workbench und
Handbüchern für seinen Amiga nachrüsten. So gibt es sicher
noch heute einige Amiga 500 aus den ersten Tagen, die mit
Amiga OS 3.1 ausgerüstet wurden.
▪ AMIGA OS UND BETRIEBSSYSTEM
Das Amiga OS war lange vor Windows eines der ersten
Betriebssysteme, das über eine grafische Benutzer-
oberfläche verfügte. Dazu war das OS von Anfang an, später
sowieso, im höchsten Maße resourensparend und stabil. Wenn
es sein muß, kann man das Betriebssystem auch bei einem A4000
ohne Festplatte, nur von einer einzigen 3.5" Diskette mit
880kb Kapazität hochfahren. Und dies ist dann kein
"abgesicherter Modus" oder so etwas, man kann dann
-vollständig- mit dem Gerät arbeiten. Das soll mal einer mit
seinem Windows versuchen!
Der Clou von Amiga OS war und ist seine Stabilität und
einfache Verständlichkeit. Hier gibt es keine "schweren
Ausnahmefehler", Bluescreens, eine absolut
undurchschaubare "Registry" oder fragwürdige
Meldungen wie "Windows-Schutzfehler - System
angehalten". Klar, auch ein Amiga stürzte ab und zu bei
zwielichtiger Software einmal ab (für Insider: dann gab es
den "Amiga-Bluescreen", die "Guru
Meditation"!), aber das war nur sehr selten der Fall. Man
konnte das Betriebssystem mit der Zeit sehr gut durchschauen
bzw. verstehen lernen und die wenigen Pannen wirklich leicht
selber beheben, wenn man sich mit diesem Betriebssystem ein
wenig befasste. Eine komplette Neuinstallation des
Betriebssystems, wie es bei Win 3.11, 95 und auch heute noch
öfter als gewünscht vorkommen kann, war eigentlich niemals nötig.
Weiterhin konnte man das OS und seine Workbench (das ist quasi
der Amiga-Desktop) wirklich bis ins Detail nach seinem eigenen
Geschmack verändern, Icons, Title-Bar, Zeichensätze,
Hintergründe, Menüs, Meldungen, einfach alles - es gibt unzählige
Programme, um das Amiga OS seinem Geschmack anzupassen und so
entstand mit der Zeit wirklich eine "persönliche",
vertraute Hard-/Softwarekombination, die einem in gewisser
Weise echt ans Herz wachsen konnte. "Amiga", auf
deutsch, "Freundin" - ein bisschen was war schon
dran an dem Namen!
FAZIT:
Der Amiga inspirierte zum "Selbermachen" in jeder
Weise - hatte man überwiegend auf dem C64 nur gezockt oder
mit seinen unzähligen Anwendungsmöglichkeiten Hardware zu
steuern gebastelt, fing man mit dem Amiga an zu composen,
editieren, malen, programmieren - ist das nicht kreativ? Die
ersten CDs brannte man mithilfe - des Amigas. Das kann man
heute auch alles mit einem PC, aber es ist einfach nicht
dasselbe - alles wird einem "vorgekaut" in den
Rachen gesteckt, Erfahrungen wie "Abenteuer" (naja
etwas übertrieben), "Erfolgserlebnis" und einfach
der "Wow"-Effekt bleiben heute meist auf der
Strecke. Der Amiga gab einem das Gefühl, "man
selbst" macht es, heute ist es mehr "es (die
Software) erledigt das schon, denk´ nicht drüber nach".
Kein Werbeslogan konnte besser ausdrücken, was ich hier
vermitteln will:
"Amiga - gives you a creative edge"! Stimmt!
Bootete man früher den Amiga hoch, freute man sich mit dem
Gerät zu arbeiten. Denn er arbeitete
ehrlich und gut, auf "seiner" Workbench war man
zuhause. Fährt man heute seinen Windows-PC hoch, ist immer
ein wenig Gleichgültigkeit dabei. Und oftmals auch
Misstrauen, wenn die Kiste oder das Betriebssystem Tags zuvor
mal wieder aus der Reihe tanzte. Die Windows-Oberfläche mit
ihrem Touch von Sterilität, Undurchschaubarkeit und
"mach keine Experimente damit, sonst Format C:" tut
ihr übriges. System-Backup und zweite Backup-Platte? Früher
völlig unnötig, heute kein "Muss", aber etwas
wohler fühlt man sich damit schon. Dabei bin ich mittlerweile
kein Anfänger in Sachen Windows mehr, im Gegenteil. Ich habe
mich mit großer Neugier (aber nicht mit Begeisterung wie beim
Amiga) in die "Wintel"-Welt gestürzt und befasse
mich mittlerweile ausführlich damit. DOS, Windows, Hardware,
Netzwerke, Web, ich habe wirklich alles durch.
Und in dieser Zeit habe ich in Sachen "Windows"
Dinge erlebt, die einem immer wieder aufs neue die Kinnlade
runterfallen oder den Kopf schütteln lassen. Klar ist ein PC
heute -technisch- dem Amiga überlegen - aber die Idee, den
Geist, die Innovation, die Klasse und vor allem die Wärme,
die hinter dem Begriff "Amiga" stehen, hat ein
Windows-PC nie gesehen und er wird diese Dinge auch nie sehen.
Der Amiga besaß tatsächlich so eine Art "Persönlichkeit",
der PC hier besitzt einfach nichts davon. Es ist nur ein Gerät.
Kann sein, daß sich nun einige an den Kopf fassen, aber
vielleicht verstehen es dafür auch einige andere, denen es ähnlich
erging. Ich stehe auf jeden Fall zu dieser Aussage. Rein von
der Zeit her gesehen, in der ich mich mit Computern befasse,
war die Amiga-Zeit die beste meines Lebens! ;o)
Last but not least: Vor einiger Zeit fand ich "WinUAE",
einen Amiga-Emulator im Web. Und dieser funktioniert
-erstaunlich- gut! Ich hatte seinerzeit vor dem Verkauf meines
Amiga die komplette Festplatte auf CDs gebrannt. Mithilfe
dieser CDs und des Emulator habe ich nun "meinen"
Amiga zurückinstalliert, genauso, wie er damals war *froi*!
Das ganze in unser Netzwerkzimmer gebracht und dort
installiert. Ergebnis: Von vier PCs sind drei seit einigen
Tagen nicht mehr eingeschalten worden, alle tummeln sich eng
zusammengedrückt an meinem Netzwerk-PC und Monitor vor dem
emulierten Amiga, ganz wie in den alten Zeiten! Einfach nur
schön! Falls der eine oder andere nun eventuell neugierig auf
das Thema Amiga geworden ist, unten habe ich einige
interessante Links zusammen gefaßt! Ich wünsch´ euch viel
Spaß damit!
CU,
Termie
(erstveröffentlicht bei Ciao ©10.2004)
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